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Wie Rechte die Kriminalstatistik für ihre Hetze missbrauchen

Ein Frauenmord wird aufgeklärt: Der Polizist ist überzeugt, es war Notwehr!
Lesezeit: 10 Min.  |  Letztes Update: 25. August 2026
Inhaltsverzeichnis & Kernpunkte (zum Ausklappen)
  • 1. Der Mythos der nackten Zahlen
    Die Zahlen der Polizeilichen Kriminalstatistik werden von den Rechten vereinnahmt. Während 60 % der Täter sexueller Straftaten die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen betonen sie immer nur die Überrepräsentation nichtdeutscher Täter.
  • 2. Die wahren Treiber der Kriminalität
    Kriminologen betonen drei Merkmale, die Einfluss auf mehr Kriminalität haben: Alter, Geschlecht, Wohnort und soziale Lage. Nicht eine kriminelle Natur der Ausländer begründet ihren höheren Anteil an der Kriminalstatistik, sondern das demografische und soziale Profil.
  • 3. Der gefährlichste Ort der Welt
    Frauen sind tatsächlich mehr Zuhause und in ihrem engeren Umfeld gefährdet. Die Täter von Femiziden und Vergewaltigungen sind meist die eigenen (Ex-)Partner, Familienmitglieder oder enge Bekannte.
  • 4. Dunkelfeld und Nordic Paradoxon
    Zur traurigen Wahrheit gehört auch, dass ausländische Täter weitaus häufiger angezeigt werden, als deutsche Täter. Internationale Fälle wie Epstein zeigen wie mächtige Personen über Jahrzehnte hinweg ungehindert Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung von Frauen begehn können.
  • 5.Die vergessenen Opfer
    Frauen mit migrantischer Herkunft sind doppelt gefährdet. Sie haben meist kein familiäres oder Freundschaftsnetz, das sie auffängt und sind häufiger finanziell und rechtlich von ihren Partnern und Ehemänner abhängig.
  • 6.Fazit: Kein importiertes Problem
    Gewalt gegen Frauen ist ein gesamtgesellschaftliches und strukturelles Problem. Kein Import aus dem Ausland. Patriarchalische Denkweisen und Strukturen gibt es auch in der westlichen Kultur.
  • 7. Meine Quellen
    Hier findet ihr weiterführende Links und eine Auswahl an Büchern und Artikeln, die ich für dieses Thema empfehlen kann.

Wir erleben aktuell ein bizarres politisches Schauspiel. Akteure der Neuen Rechten, die sonst lautstark über „grünversiffte“ Politik, „Systemparteien“ und den Gender-Wahn schimpfen, entdecken urplötzlich ihr Herz für Frauenrechte. Nach Jahrzehnten des Antifeminismus feiern sie sich nun als heldenhafte Beschützer der natürlich weißen und deutschen Frau.

Das Muster wiederholt sich stetig: Eine Gewalttat passiert im öffentlichen Raum. Der Täter hat einen Migrationshintergrund. Sofort läuft die Propagandamaschine auf Hochtouren. Die plumpe Botschaft lautet: Gewalt gegen Frauen ist ein importiertes Problem. Verursacht durch archaische Kulturen. Der anständige „Bio-Deutsche“ würde so etwas schließlich niemals tun.

Für diesen blinden Fleck in der Wahrnehmung existiert bereits ein präziser Begriff: Femonationalismus. Rechte Gruppierungen instrumentalisieren das reale, furchtbare Problem der sexualisierten Gewalt, um rassistische Hetze in die Mitte der Gesellschaft zu tragen.

Femonationalismus, manchmal auch Feminationalismus genannt ist die Abkürzung für „feministischer und femokratischer Nationalismus“. Feministische Ideen werden zur Rechtfertigung islamfeindlicher, rassistischer und fremdenfeindlicher Positionen genutzt.

Hauptargument der Femonationalisten: Einwanderer seien sexistisch und frauenfeindlich während die westliche Gesellschaft vollkommen gleichberechtigt sei.

Der Mythos der nackten Zahlen

Deutlich mehr Täter sind Deutsche, wenn es um Sexualdelikte geht. Rechte Hetzer behaupten gerne, Migranten oder Geflüchtete begehen überwiegend die Vergewaltigungen in Deutschland. Sie verweisen triumphierend auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Ihre Logik: Die Zahlen stiegen zeitgleich mit der Migration. Also existiert ein direkter Zusammenhang. Dabei sieht man den größten Anstieg nach 2020 mit der Corona-Pandemie und zeitgleich zur Me-Too-Debatte. Dies hat offensichtlich zu mehr Anzeigen geführt.

Denn wenn wir mit Zahlen der Kriminalstatistik argumentieren müssen wir uns immer bewusst sein hier wird nur die Ermittlungsarbeit der Polizei gemessen. Die PKS gibt an, wie viele Täter oder Täterinnen die Polizei ermittelt hat. Nicht wie viele davon tatsächlich verurteilt worden sind.

Ein nüchterner Blick auf die Zahlen von 2024 demaskiert das rechte Narrativ als schlichte Lüge. Bei den vollendeten Vergewaltigungen identifizierten die Ermittlungsbehörden bundesweit knapp 11.000 Tatverdächtige. Das Ergebnis: Über 60 Prozent dieser Männer besitzen die deutsche Staatsangehörigkeit. Erweitern wir den Blick auf „Vergewaltigungen und sexuelle Übergriffe in besonders schweren Fällen“, bleibt das Bild identisch. Deutsche Täter stellen die absolute Mehrheit.

Deutlich mehr Täter sind Deutsche, wenn es um Sexualdelikte geht. Natürlich gehört zur Wahrheit, dass knapp 39 Prozent der Tatverdächtigen keinen deutschen Pass haben. Rechnet man ausländerrechtliche Delikte heraus, landen wir bei etwa 35 Prozent. Das ist unbestreitbar eine statistische Überrepräsentation, denn der ausländische Bevölkerungsanteil liegt nur bei knapp 26 Prozent. Haben die rechten Scharfmacher also doch recht?

Die wahren Treiber der Kriminalität

Kriminologen widersprechen der Theorie einer „kriminellen ausländischen Kultur“ massiv. Kriminalität korreliert nicht mit Genen, sondern mit drei zentralen Faktoren:
  • Alter
  • Geschlecht
  • Wohnort & soziale Lage


Die zugewanderte Bevölkerung in Deutschland ist im Durchschnitt elf Jahre jünger als die deutsche. Sie weist einen signifikant höheren Anteil an jungen Männern auf. Und junge Männer begehen – historisch und global betrachtet – in jeder Gesellschaft die meisten Straftaten. Leben diese Menschen dann noch isoliert in urbanen Ballungsräumen, unter prekären Bedingungen in Sammelunterkünften und unter massivem Stress, steigen die Deliktzahlen.

Die Rechten beschreiben also nichts anderes als Kausalitäten, die sich aus der Biografie der Täter ergeben. Toxische Männlichkeit und Gewaltbereitschaft existieren bei Murat aus Duisburg-Marxloh genauso wie bei Kevin aus Neukölln. Die pauschale Verurteilung aller Ausländer als potenzielle Vergewaltiger hilft den Opfern nicht im Geringsten. Und was mir persönlich immer fehlt ist der Blick auf den Teil der migrantischen Bevölkerung, der niemals straffällig wird und das sind 90 Prozent. Das muss man sich mal klarmachen, wir sprechen hier von 10 Prozent die problematisch sind! Diagramme von Correctiv zu häuslicher Gewalt und Tötungsdelikten

Der gefährlichste Ort der Welt

Nur 10 Prozent der Migranten werden straffällig. 90 Prozent werden völlig zu Unrecht diffamiert. Während der öffentliche Diskurs panisch auf den „fremden“ Täter blickt, der Joggerinnen im Park belästigt oder wie Jack the Ripper in dunklen Gassen auflauert, ignorieren die selbsternannten „Frauenschützer“ von rechts konsequent den statistisch gefährlichsten Ort für Frauen: die eigenen vier Wände. Denn Gewalt gegen Frauen ist häufig immer noch ein „Heimspiel“.

Die Kriminalstatistik 2024 verzeichnet bei häuslicher Gewalt einen neuen Höchststand von knapp 266.000 erfassten Opfern.
  • Über 70 Prozent dieser Opfer sind weiblich.
  • Das bedeutet: 30 Fälle. In einer einzigen Stunde.
  • Bei Partnerschaftsgewalt sind fast 80 Prozent der Opfer Frauen.
  • Über drei Viertel dieser Täter sind deutsche Männer.


Grafik von Statista zur Häufigkeit von Frauenmorden im privaten Umfeld auf den verschiedenen Kontinenten. Noch gravierender fallen die Zahlen bei Femiziden aus. Mehr als 300 Frauen und Mädchen wurden 2024 von ihren Partnern oder Ex-Partnern getötet. Fast jeden Tag ermordet ein Mann in Deutschland eine Frau, weil er sie als seinen Besitz betrachtet. Hier existiert keine Korrelation zur Herkunft. Neueste Studien zeigen, dass sich der Femizid durch alle sozialen Schichten zieht.

Eine neue und bisher einzigartige Studie zu Femiziden in Deutschland legt nahe, dass die Gewalt gegen Frauen tief in patriarchalen Strukturen verwurzelt ist. Einem Weltbild, das viele extreme Rechte ironischerweise mit radikalen Islamisten teilen.

Das Schweigen im Dunkelfeld und das „Nordic Paradox“

Die Kriminalstatistik zeigt uns nur das Hellfeld. Also Taten, die Opfer aktiv anzeigen. Kriminologische Dunkelfeldstudien offenbaren eine weitaus düsterere Realität. Vergewaltigt der eigene Ehemann die Frau, liegt die Anzeigequote bei unter fünf Prozent. Scham, ökonomische Abhängigkeit und familiärer Druck zwingen die Opfer zum Schweigen.

Gleichzeitig belegt die Wissenschaft ein asymmetrisches Anzeigeverhalten: Eine Frau zeigt einen rassistisch als „fremd“ wahrgenommenen Angreifer im öffentlichen Raum viel eher an als den sympathischen Bekannten von nebenan oder den eigenen Vorgesetzten. Die MeToo-Debatte und der jüngste Skandal um Jeffrey Epstein offenbarten eindrücklich, wie mächtige Männer jahrzehntelang ungestraft agierten.

Anstieg der Sexualdelikte seit 2015 und noch einmal stärker in der Coronazeit 2020/21 Und warum steigen die Fallzahlen in der Statistik überhaupt? Eine entscheidende Rolle spielt die Reform des Sexualstrafrechts 2016. Der Grundsatz „Nein heißt Nein“ kriminalisiert sexuelle Handlungen gegen den erkennbaren Willen einer Person endlich konsequent. Zuvor setzten Gerichte eine Vergewaltigung oft nur dann als strafbar voraus, wenn der Täter physische Gewalt anwendete. Die Gesetzesverschärfung hilft Opfern enorm. Sie unterstützt Frauen dabei, Taten anzuzeigen, die früher straffrei geblieben wären. Das bedeutet keine plötzliche „Vergewaltigungsepidemie“, sondern ein längst überfälliges Ausleuchten des Dunkelfelds.

Außerdem sieht man ganz deutlich einen zweiten Anstieg in den Jahren 2020/21. Auch hier kann es keinen Zusammenhang mit gestiegenen Flüchtlingszahlen geben, weil die Zahlen zu dieser Zeit sehr niedrig waren. Vielmehr ergibt sich ein Zusammenhang mit der Corona-Pandemie. In der die Fälle häuslicher Gewalt durch die angespannte Situation Zuhause zunahmen.

Einen paradoxen Effekt, das „Nordic Parodox“ kann man in Ländern wie Finnland oder Schweden beobachten. Beide Länder führen bei der Gleichstellung, melden aber die höchsten Raten an Gewalt gegen Frauen in Europa. Nicht wegen gewalttätiger Migranten, sondern weil emanzipierte Frauen dort ihrem Rechtsstaat vertrauen und Übergriffe häufiger anzeigen.

Die vergessenen Opfer

Wer den Schutz von Frauen ernst meint, muss jene schützen, die am verletzlichsten sind. Die Rechten ignorieren diese Gruppe völlig: Frauen mit Migrationshintergrund. Vor zwanzig Jahren waren die sogenannten „Ehrenmorde“ noch ein ganz großes Thema. Junge Frauen und Mädchen, mit türkisch-arabischer Herkunft wurden von ihren Vätern oder Brüdern ermordet, weil sie mit ihrem Verhalten die Familienehre beschmutzt hätten.

Geflüchtete Frauen leiden unter einer dreifachen Vulnerabilität:
  1. Sie sind aufenthaltsrechtlich oft an den gewalttätigen Ehemann gebunden (bei Trennung droht Abschiebung).
  2. Sie leben ungeschützt in Sammelunterkünften ohne familiäres Sicherheitsnetz.
  3. Sie scheitern bei der Hilfesuche an enormen sprachlichen und bürokratischen Hürden.


Während Rechte symbolpolitische Abschiebungen fordern und auf Plakaten gegen „Messermänner“ hetzen, lassen sie die am stärksten bedrohten Frauen im Stich. Wer Frauen wirklich schützen will, finanziert Frauenhäuser, unterstützt Beratungsstellen und bekämpft patriarchale Rollenbilder in jeder Gesellschaftsschicht. Toxische Männlichkeit trägt keinen spezifischen Pass. Links eine Grafik von Correctiv zu den Plätzen deutscher Frauenhäuser. Rechts eine Grafik mit den Plätzen und dem tatsächlichen Bedarf in Deutschland

Fazit: Kein Importproblem

Gewalt gegen Frauen ist kein Importprodukt. Diese These ist genauso falsch wie die Behauptung der Rechten, das größte Problem mit Antisemitismus seien die Araber, die das Existenzrecht Israels infrage stellen und zusammen mit linken Unterstützern für einen palästinensischen Staat den Antisemitismus zurück nach Deutschland gebracht hätten.

Gewalt gegen Frauen ist ein strukturelles Problem, das in der Abwertung von Frauen wurzelt – egal ob am Stammtisch, im Großraumbüro oder in der Shisha-Bar. Statistiken zu missbrauchen, um rassistische Narrative zu füttern, verhöhnt die Opfer und verhindert echten Gewaltschutz.

Wer wirklich Frauen in unserer Gesellschaft vor Gewalt schützen will, der finanziert Frauenhäuser und Präventionsprojekte. Die helfen allen potentiellen Opfern, auch jenen – wie migrantische Frauen – die keine große Lobby haben. Schaut nicht weg, wenn Frauen belästigt werden. Ob im eigenen Umfeld, unter Familien und Freunden oder im öffentlichen Nahverkehr.

Quellen & Links