Geschichte ist niemals ganz vorbei. Der Umgang mit ihr formt unser Verständnis von Gegenwart und Zukunft. Lieblingsthema der Revisionisten ist das Dritte Reich und der Zweite Weltkrieg. Die neuen Rechten wollen die Deutungshoheit über den Zweiten Weltkrieg und die deutsche Kriegsschuld erobern. Ihr Ziel ist keine ausgewogene historische Debatte. Rechte Akteure instrumentalisieren unsere Erinnerungskultur als Waffe. Sie wollen die nationalsozialistische Ideologie von ihren historischen Verbrechen entkoppeln.

Warum der ganze Aufwand? Die Logik der Extremisten ist simpel: Wenn sie die deutsche Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg relativieren, entziehen sie unserer parlamentarischen Demokratie das moralische Fundament. Kampfbegriffe wie „Schuldkult“ oder „Nationalmasochismus“ fallen dabei ständig. Sie unterstützen die perfide Erzählung, globale Eliten würden die deutsche Bevölkerung psychologisch lähmen. Damit die Abwehr solcher Narrative gelingt, müssen wir die Strategien der Geschichtsfälscher präzise dekonstruieren.

Der Ex-General und die erfundene Unschuld

Ein Paradebeispiel für den modernen Geschichtsrevisionismus tritt wie ein seriöser Historiker im Sakko auf: Gerd Schultze-Rhonhof. Der ehemalige Generalmajor der Bundeswehr nutzt seinen einstigen militärischen Rang, um sich eine Aura der Seriosität zu verleihen. In seinem 600-Seiten-Wälzer „1939 – Der Krieg, der viele Väter hatte“ vertritt er eine abstruse These: Hitler habe den Zweiten Weltkrieg nicht gewollt und auch nicht allein verursacht. Angeblich hätten acht andere Staaten, allen voran Polen und Großbritannien, Deutschland förmlich in den Krieg gezwungen.

Fachhistoriker zerschmettern dieses Werk regelmäßig. Schultze-Rhonhof arbeitet nicht mit neuen Quellen. Er betreibt systematische Manipulation. Er reißt Schlüsseldokumente aus dem Kontext, lässt entscheidende Sätze weg und zitiert Autoren, die offenkundige Holocaustleugner sind.

Behauptung

Hitler wollte 1939 keinen Krieg und bot Polen einen überaus großzügigen 16-Punkte-Plan für den Frieden an.

Faktencheck

Der sogenannte 16-Punkte-Plan war ein hastig entworfenes Propagandainstrument ohne jeden diplomatischen Wert. Er diente ausschließlich dazu, der Weltöffentlichkeit eine polnische Ablehnung zu präsentieren. Generalstabschef Franz Halder notierte bereits am 29. August 1939 zynisch den internen Fahrplan: „30.8. Polen in Berlin. 31.8. Zerplatzen. 1.9. Gewaltanwendung.“ Der Überfall stand längst unwiderruflich fest.